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Lost Place: Das verlassene Kinderkrankenhaus Berlin-Weißensee

Was macht man eigentlich mit Gästen, die selbst schon oft genug in Berlin waren und die Sightseeing-Klassiker kennen? So ging es mir mal wieder, als meine Schwester zu Besuch kam. Also habe ich Sie einfach mitgenommen zu den Plätzen, zu denen ich sowieso gerne gehe oder zu jenen die ich immer mal besuchen wollte, wie den Lost Place des Kinderkrankenhauses in Weißensee.

Die ehemalige Säuglings- und Kinderklinik in Weißensee gehört zu den bekannteren Lost Places in Berlin und liegt für mich praktisch um die Ecke. Trotzdem war ich selbst bisher nie dort, weshalb es auch für mich Zeit wurde dem Kinderkrankenhaus einen Besuch abzustatten.

Lage des Lost Place

Das verlassene Kinderkrankenhaus in Berlin-Weißensee liegt direkt an der M4 Tram Haltestelle Buschallee/Hansastraße neben dem Stadion Buschallee.

Adresse: Hansastraße 150, 13088 Berlin

Die letzten Informationen über die wir online gestolpert sind, liegen mindestens 1-2 Jahre in der Vergangenheit und die Bilder dazu lassen vermuten, dass man den verlassenen Ort sofort erkennen würde. Allerdings muss man dazu sagen, dass das nicht mehr ganz zutrifft. Das verlassene Gebäude ist deutlich verwilderter als auf den Bildern, die wir gefunden haben, zu erkennen ist und der überall beschriebene Zugang hinter einem Stromkasten gegenüber der Haltestelle ist verbaut.

Zugang zum Lost Place des verlassenen Säuglings- & Kinderkrankenhauses in Weißensee

Wir sind nach der Ankunft mit der Tram erstmal den gesamten Zaun an der Straße abgelaufen um zu sehen, ob es irgendwo ein Schlupfloch gibt. Leider galt hier erst einmal Fehlanzeige. Über das Buschallee Stadion kann man allerdings noch hinein in den Lost Place. An der letzten Ecke haben wir ein Stück Zaun entdeckt, das durch einen umgestürzten Baum herunter gedrückt ist. Zwar hat man versucht Stacheldraht darüber zu spannen und dadurch die ungebetenen Gäste abzuhalten, aber das hat nicht viel geholfen. Teile des Stacheldrahts wurden bereits entfernt und man kann über einen Baumstumpf relativ einfach über den Stacheldraht steigen. Vergessene Orte in Berlin haben eben auch vergessene Zäune.

Einmal über den Baum, rein ins Kinderkrankenhaus Berlin-Weißensee

Wer allerdings glaubt, dass man sich an einem Samstag allein auf dem Gelände der verlassenen Klinik befindet, der hat weit gefehlt. Wir waren bei unserer Suche fast drauf und dran zu sagen, der Zugang wurde verbaut und es gibt kein Hinein mehr, als meine Schwester Licht im Gebäude erkannte. Es waren bereits Leute dort, also gab es auch einen Zugang.

Verschiedene Gruppen geisterten über das Gelände. Eine Gruppe 12-jähriger Jungs wuselte mit Handy-Licht durch die Gänge, ein paar Teenie-Mädels waren zum Sprayen zum Lost Place gekommen und beim Verlassen des Geländes kamen uns weitere Besucher entgegen.

Die beliebteste Frage: “Wie seid ihr auf das Gelände gekommen?”

Die Antwort war immer die selbe, egal wen man fragt, es gibt nur noch diesen Einen wie es scheint. Ein paar Tipps für weitere Lost Places kann man sich bei der Gelegenheit auch noch geben lassen und dann ging es für uns auch wieder Richtung zu Hause, raus aus dem stürmischen Berliner Herbstwetter.

Geschichte des Säuglings- und Kinderkrankenhauses Berlin-Weißensee

In Folge der hohen Säuglingssterblichkeit und abnehmenden Geburtenzahlen Anfang des 20. Jahrhunderts, beschloss die Gemeinde Weißensee 1908 ein Kinderkrankenhaus zu bauen, welches das erste kommunalgeleitete in Preußen werden sollte. Die Grundsteinlegung fand im Juni 1909 statt.

Im Juli 1911 erfolgte die feierliche Einweihung des Hauses in der Kniprodeallee, der heutigen Hansastraße. Die Umgebung des Hauses war zu einem kleinen Park umgestaltet worden. Das Krankenhaus avancierte zu einem der besten Häuser und wurde auch Ausbildungszentrum und Teil des III. Internationalen Kongresses für Säuglingsschutz.

Nach der Eingemeindung im Jahr 1920 erfolgte bald die Herauslösung der „Milchkuranstalt”, die dann Bestandteil der Berliner Stadtgüter und damit Bestandteil des 1965 gegründeten Milchhofes in Heinersdorf wurde. 1985 wurde der Grundstein für ein neues Bettenhaus gelegt, welches im Oktober 1987 eingeweiht werden konnte.

Nach 86 Jahren wurde am 1. Januar 1997 das Säuglings- und Kinderkrankenhaus geschlossen. Die Gebäude sind bis heute dem Verfall und Vandalismus preisgegeben. Auf Bestrebung des Vereins „Weißenseer Heimatfreunde e.V.” wurde die Skulptur der Caritas vorsorglich in der Stiftungsgemeinschaft St. Elisabeth-Stephanus in der Albertinenstraße in Weißensee aufgestellt.

Die Hoffnung, dass sich nach dem Verkauf 2006 an russische Investoren etwas ändern würde, war vergebens. Angeblich wollten die Investoren ein alternatives Krebszentrum errichten, doch davon ist bis heute nichts zu sehen.

Das verlassene Krankenhaus ging 2015 per Urteilsverkündung durch das Landgericht Berlin zurück an das Land Berlin. Nach langen Auseinandersetzungen hat Berlin also sein verlassenes Gebäude wieder. Vergessene und verlassene Orte hat Berlin ja genügend, jetzt also offiziell aber wieder einen mehr. Was das Land Berlin mit dem Lost Place “Kinderklinik” vor hat, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Photowalk Lost Place “Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee”

Das verlassene Kinderkrankenhaus in Weißensee aus der Vogelperspektive

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Was sagst du zum schaurigen Ausflugsziel “Lost Place”? Bist du schon einmal hier gewesen? Hast du andere Lost Places besichtig?

Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Deine Nika

 

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18 Comments

  1. Andrea sagt:

    Hallo,

    danke für den Beitrag! Mir fehlt nur noch das Datum, wann ihr dort war, zumindest grob – 1. Quartal 2017? Damit ich abschätzen könnte, wie aktuell die Infos sind, vor allem bezüglich des Zugangs 😉

    Liebe Grüße,
    Andrea

    • Nika sagt:

      Hallo Andrea,
      ich war im Herbst 2017 dort, daher ist der Zugang mit Sicherheit nicht mehr da. Da ich aber immer wieder daran vorbeifahre und auch Leute sehe, die um das Gelände schleichen, könnte es einfach einen anderen Zugang geben.
      Ich wünsche dir jedenfalls viel Spaß beim gucken gehen und sei bitte vorsichtig.

      Beste Grüße,
      Nika

  2. Berthild Lorenz sagt:

    Grüß Dich, Nika,

    ich lebe seit 1976 in Weißensee und war mit meinem kleinen Sohn ein Mal im KiKra Weißensee – das war vielleicht 1987.
    Ja, ne Weile her.

    Es war unglaublich liebevoll eingerichtet, mit wunderschönen bunt bemalten Holzfiguren weiß ich nur noch genau.
    Die Chefärztin war die Tochter von Anna Seghers, einer bekannten Schriftstellerin.
    Die Weißenseer Heimatfreunde wissen ganz sicher noch mehr!

    Hierher bin ich gekommen, weil ich tante google nach dem KiKra gefragt habe, denn ich war vor ein paar Jahren mal wieder dort gucken und will etwas zu den Bildern schreiben.
    Hierher zu verlinken, denke ich, wird nicht nur mir gefallen!

    Zuerst allerdings der Link zur ehemaligen Chefärztin:

    https://www.bz-berlin.de/artikel-archiv/sie-lebte-das-andenken-ihrer-beruehmten-mutter

    Grüße aus Komponistenviertel,

    Berthild

  3. […] ich Berlin mit all seinen Facetten, guten wie auch schlechten Seiten kennengelernt. Bis auf den Ausflug zum Lost Place des Kinderkrankenhauses in Weißensee habe ich euch allerdings noch nicht viel […]

  4. Magdalena sagt:

    Hi Nika,

    toller Beitrag und sehr coole Aufnahmen, gerade die aus der Luft.

    Ich finde Lost Places auch immer irre spannend. Die verlassenen und verfallenen Gebäude hinterlassen immer genau die richtige Portion Gänsehaut 🙂

    Vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße
    Magdalena

  5. Denise sagt:

    Ich liebe es Bilder von Lostplaces anzuschauen ??
    Die Bilder sind richtig toll

    • Nika sagt:

      Hallo Denise,

      ja, es macht allerdings fast noch mehr Spaß Sie zu machen 🙂 Es gibt so viel zu entdecken und man hat so viele Möglichkeiten richtig tolle Bilder zu machen an einem solch besonderen Ort. Freut mich, dass es dir auch Spaß macht, dich nachher durch meine Bilder an diese Plätze entführen zu lassen. Wenn dir Lost Places gefallen, dann komm bald wieder, einen hab ich noch in petto und weitere werden sicher folgen.

      Liebe Grüße,
      Nika

      • Alexandra Ostermann sagt:

        Hi Nika

        Tolle Bericht über diesen tollen lost Place !,
        Jetzt ist es ja ein Jahr später und ich wollte mir das am Sonntag anschauen gehen mit 4 Teens -:))
        Es wird bestimmt immer noch einen Weg geben , darein zu kommen ..

        Lg Alex

        • Nika sagt:

          Hi Alex,

          mit 4 Teens gleich? Passt bitte auf, bzw. inzwischen solltet ihr ja längst dort gewesen sein, also hoffe ich, dass nichts passiert ist. Wie hat es geklappt? Ich informiere ja immer gerne über solche einzigartigen Foto-Spots, aber es ist mir wichtig, dass diese so gut es geht auch so bleiben wie sie sind und bin immer traurig wenn ich bei einem erneuten Besuch feststelle, dass noch mehr zerstört wurde. Besonders wichtig ist aber, dass euch nichts passiert. Hattet ihr Spaß dort? Wie war es?

          Liebe Grüße, Nika

  6. Mal ein etwas anderes spannenderes Ausflugsziel, aber ich denke auch nicht gerade ungefährlich so baufällig wie das aussieht.

    Liebe Grüße
    Sigrid

  7. Florian sagt:

    Hi Nika,

    das ist echt ein cooles Video, macht super Spaß anzuschauen. Krass, wie kaputt da alles ist

    Viele Grüße
    Florian

    • Nika sagt:

      Hi Florian,

      das dachte ich mir auch, so bekommt man neben meinen Fotos auch einen Eindruck davon wie groß das Gelände ist. Das merkt man fast nicht vor Ort, weil alles so verwildert ist.

      Liebe Grüße,
      Nika

  8. Irgendwoe habe ich zuviel Horrorfilme gesehen um mich sowas trauen zu können 😉 Aber die Bilder sind echt schön!

    • Nika sagt:

      hallo Verena,

      Dankeschön. Freut mich, dass dir die Bilder gefallen. Ganz ehrlich, ganz umgruselig ist es nicht, aber man kann mit Bildern einfach auch noch mehr rausholen. Die eine Perspektive, das Licht, die Farben, das macht alles viel aus. Ich kann es nur empfehlen. Wobei ich gestehen muss, alleine wäre es mir vielleicht doch zu creepy gewesen. Also auf jeden Fall eine Freundin einpacken oder so.

      Liebe Grüße,
      Nika

  9. nici sagt:

    Ich finde solche Beiträge und Bilder dazu immer wahnsinnig interessant und bedanke mich, für solch ein post von dir. Gerne mehr davor. Ganz toll finde ich, das du auch auf die Geschichte eingehst.

    Alles Liebe

    • Nika sagt:

      Hallo Nici,

      dankeschön. Es freut mich sehr, dass der Beitrag dir gefallen hat. Einen habe ich aktuell noch auf dem Tisch und weitere werden auf jeden Fall folgen. Ich finde die Geschichte so wichtig. Das erste was ich mich gefragt hatte als ich ankam war z.B. Wer ging hier wohl schon alles durch die Tür? Wie hat es hier früher ausgesehen? Wie konnte es passieren, dass es heute so heruntergekommen ist?

      Die Geschichte die mir das Haus erzählen würde, die würde mich interessieren, geht dir das nicht auch so?

      Liebe Grüße,
      Nika

  10. Alex sagt:

    Ich mag lost Places und bin für jeden Tipp dankbar.
    In 2 wochen bin ich auch wieder in Berlin:)

    Schöner Artikel!

    Liebe grüße

    Alex
    http://www.movicfreakz.de

    • Nika sagt:

      Hi Alex,

      Lost Places sind auch mal ein Sightseeing der anderen Art. Ich war nach dem Kinderkrankenhaus noch in der alten Schwimmhalle in Pankow. Nichts großes, aber auch da kann man ein paar Fotos schießen und “nebenan”, also ein paar meter die Straße runter, ist ein nettes Café zum wieder aufwärmen. Netter kleiner Schlechtwetter-Ausflug in Berlin auf einen Sonntag.

      Der Bericht und Fotos kommen natürlich noch.

      Liebe Grüße,
      Nika

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