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Was ist der Unterschied zwischen Retro und Vintage?

Immer wieder werde ich gefragt, was bedeutet Vintage eigentlich genau? Noch häufiger wird der Begriff Vintage einfach auf alles angewendet was irgendwie alt und stark abgenutzt ist. Ein bisschen Retro-Look eben. Egal ob es um Vintage-Möbel oder Vintage-Mode geht, wo liegt der Unterschied?

Gerne verwenden wir Retro, Vintage und Secondhand als Synonyme, weil alle drei Begriffe in einer bestimmten Art und Weise miteinander verknüpft sind. Dennoch verbergen sich unterschiedliche Bilder und Vorstellungen hinter den Begriffen.

In den letzten Jahren wurde viel von Vintage-Möbel, Vintage-Mode und allen möglichen anderen Dingen gesprochen, Hauptsache es hing ein Vintage dran. Suchen wir doch nach dem Ursprung des Begriffs Vintage und lösen das Rätsel um die Unterschiede von Retro, Vintage und Secondhand. *Nika-pedia an*

Was bedeutet Vintage?

Während man noch vor geraumer Zeit sogenannte Vintage-Mode oder sogenannte Vintage-Möbel verkaufte, ist das “sogenannt” heute bereits unter den Tisch gefallen und der Begriff im Sprachgebrauch der Deutschen längst angekommen. Fragt man allerdings nach, “was bedeutet Vintage?”, wird sehr schnell deutlich, dass man den Begriff Vintage eigentlich nicht erklären kann. Meist bekommt man eine Auskunft die besagt, dass es irgendwas mit alt zu tun hat, altmodisch, gebraucht und abgenutzt, schön schäbig und somit schön trendy. Aber hier besteht ein Irrtum, denn der englische Begriff Vintage hat seine Wurzeln im Französischen und kommt aus der Weinterminologie.

Der französische Begriff Vendange (Jahrgang), der wiederum auf das lateinische vindemia (Weinlese) zurückgeht, von vinum (Wein), bezieht sich also auf den Jahrgang des Weins. Vintage ist folglich der Weinjahrgang. Bis heute sprechen Amerikaner und Engländer häufig vom Vintage-Bordeaux oder Vintage-Port und sprechen damit dem Jahrgang des Weins ihre höchste Anerkennung aus. Von alt und schäbig also weit und breit keine Spur.

In den 20er Jahren wurde der Begriff Vintage erstmals auf Autos angewendet, wobei auch hier besonders hochwertige Oldtimer gemeint waren. Zerrissene Jeans und abgenutzte Möbel sind also mit dem Begriff Vintage nicht gemeint.

Vintage-Möbel sind im Trend, ob zu Hause oder im Büro. Photo: Joshua Ness on Unsplash

Was sind Vintage-Möbel?

Da sich Vintage auf den Jahrgang bezieht und dabei etwas sehr hochwertiges mitschwingt, verwendet man den Begriff Vintage besonders im Zusammenhang mit Design-Klassikern der 1920er bis 1980er Jahre. Insbesondere Vintage-Möbeln zeigen dies sehr deutlich.

Beginnend mit dem Art Déco (1920-1935) sind mit dem Begriff Vintage meist die Design-Klassiker der 50er und 60er Jahre bezeichnet. Besonders prägend für die Möbelkultur nach dem Krieg sind die skandinavischen Designer wie beispielsweise Alvar Aalto, Verner Panton („Panton Chair“ 1959) oder Arne Jacobsen (“The Schwan” 1958), die entscheidende Impulse lieferten. Designer die ihr vermutlich auch kennt, sind z.B. das Ehepaar Eames, die 1956 den Lounge Chair entwarfen, und Harry Bertoia.

Vintage-Mode – Eine Erläuterung

Bei der Vintage-Mode verhält es sich nicht viel anders als bei Vintage-Möbeln. Experten sagen, dass nur die Originale der 20er bis 80er Jahre, die dem luxuriösen und hochwertigen Charakter des Vintage Begriffs gerecht werden, auch wirklich Vintage sind. Es muss sich nicht immer um getragene Stücke handeln, auch Lagerware aus vergangenen Tagen, die nie einen Besitzer fanden, gelten als Vintage-Mode. Meist stehen Vintage-Stücke sogar repräsentativ für für die Epoche aus der sie stammen.

Heute vereinfacht man die Definition von Vintage, wenn man eben nicht von Wein, sondern von Vintage-Mode oder über Vintage-Möbel spricht und sagt:

Vintage ist, was mindestens 20-25 Jahre alt ist.

Das Hawaiihemd aus den 80ern ist Vintage-Mode. Photo by Becca McHaffie on Unsplash

Vintage Shopping Tipp

Beim Vintage Shopping, besonders, wenn ihr online Vintage-Mode kauft, stoßt ihr auch oft auf den Ausdruck “True Vintage”. Das ist im Prinzip nichts anderes, als die Untermauerung, dass es sich hierbei um ein wirkliches Stück Modegeschichte handelt und aus einem bestimmten Jahrzehnt stammt, das mindestens 20-25 Jahre in der Vergangenheit liegt. Bestenfalls ist das Jahrzehnt auch mit angegeben. So unterscheiden viele Händler ihre Angebote von den Angeboten, die “Vintage” nur als Trendwort benutzen.

Die 90er Jahre sind auch Vintage?

Mit der Vereinfachung durch das Mindestalter erklärt sich auch, dass in einschlägigen Vintage-Shops auch Mode der 90er Jahre als Vintage verkauft wird. Das bedeutet auch, dass “Vintage” nachwächst, eben wie beim Wein, insofern es sich um einen wirklich guten Jahrgang handelt.

Wobei ich mich weigere, Kleidung, die mir meine Mutter in den 90ern gekauft hat, als Vintage zu bezeichnen. Bei den 80ern akzeptiere ich das. Allerdings auch nur, weil es bereits hier eine große Retro-Welle gegeben hat.

In den 80er Jahren gab es ein großes Comeback der 50er Jahre Designs und der Rockabilly Bewegung. Viele Kleidungsstücke aus den 80er Jahren sind angelehnt an die Schnitte der 50er. Damals Retro und heute Vintage, und deshalb für mich auch eine Fundgrube. Denn selbst wenn man viele Kleidungsstücke mit Schulterpolstern oder überdimensionierten Ärmeln verhunzt hat, kann man oft mit ein paar gekonnten Nadelstichen, das Fundstück zu einem hübschen Teil im 50er Jahre-Stil umnähen. Insofern Stoff und Muster einem zusagen natürlich.

Mehr als 100 Jahre alt muss es sein, dann ist es antik. Photo: Roman Kraft on Unsplash

Wann ist es zu alt um Vintage zu sein?

Ein Ausflug zu den Antiquitäten

Um als antik bezeichnet werden zu können, muss ein Möbel, Kunst, Mode oder die Architektur, älter sein als 100 Jahre. Dies gilt zumindest als grobe Richtlinie, denn der Begriff antik stammt aus dem lateinischen von antiquus ab und bedeutet einfach nur alt. Wo genau der Begriff antik ansetzt und wo er aufhört, wurde bisher nicht eindeutig definiert und man nimmt daher die +100 Jahre Richtlinie zur Hand.

Antik umfasst zahlreiche Stilepochen:

  • Barock (1600–1720),
  • Rokoko (1720–1770)
  • Biedermeier (1815–1848)
  • Jugendstil oder Art Nouveau (1890–1910)

Thomas Chippendale zum Beispiel gehört zu den namhaften Vertretern unter den Möbelherstellern und -designern zu Zeiten des Rokoko und Michael Thonets “Wiener Kaffeehausstuhl“ (1851) hat es sogar zum Design-Klassiker geschafft.

Ist es Vintage oder Retro?

Dass wir die Begriffe Vintage und Retro häufig verwechseln oder gar synonym verwenden, ist eigentlich nicht verwunderlich. Beide Begriffe beschreiben den Stil vergangener Jahrzehnte, aktuell sind besonders die 50er und 60er Jahre stark im Trend und irgendwie weiß man eben was gemeint ist. Doch während sich der Begriff Vintage auf die tatsächliche Entstehungszeit eines Möbelstücks oder der Kleidung bezieht und ein gewisses alter verlangt, ob benutzt oder neu als Lagerfund, ist das mit dem Begriff Retro etwas anders. Denn der Begriff Retro, bezieht sich zwar auf den Stil und mag rein äußerlich erscheinen, als sei es aus einer längst vergangenen Zeit, ist es jedoch nicht.

Was bedeutet Retro? Ist es alt oder sieht es nur so aus? Photo by Travis Yewell on Unsplash

Was bedeutet Retro?

Als Retrospektive, kurz Retro, bezeichnet man Stücke die sich auf die ursprüngliche Epoche des Stils beziehen. Der Begriff Retro kommt aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie rückwärts oder zurück. Man besinnt sich also zurück auf vergangene Zeiten und macht sich die früheren Stilrichtungen zu nutze, um damit etwas neues zu kreieren. Mit dem Begriff Retro wird also lediglich der Bezug zu einer oder mehreren Stilrichtungen aus der Vergangenheit hergestellt, das Design an sich ist jedoch ein neues, mindestens jedoch das Produkt ist neu.

In der Regel handelt es sich bei Retro-Möbeln oder Retro-Mode um neue Produkte, die prägnante Elemente eines bestimmten Stils imitieren, meist jedoch nicht in Gänze kopieren. Insbesondere Mid-Century-Designs erfreuen sich aktuell großer Beliebtheit. Innovativ, funktional, facettenreich und etwas experimentell ist gerade wieder besonders chic in der Welt der Inneneinrichtung und Architektur. Gute Beispiele hierfür sind z.B. der Nierentisch, Cocktailsessel oder Lounge-Chairs á la Eames, aber auch Tapeten und Stoffe mit geometrischen Mustern oder stilisierten Blumen und Rauten. Auch mit der Farbgebung wird das Retro-Design unterstrichen. Grundlage sind meist neutrale Farbtöne wie Cremeweiß, Grau oder Braun, aber auch die beliebten Pastelltöne der 50er Jahre finden sich in den letzten Jahren immer häufiger unter Retro-Dekorationen, Küchenutensilien und vielem mehr wieder und versprühen ihren Retro-Charme.

„Retro greift die Form- und Farbgebung alter Designs auf, es handelt sich aber um ein neues Produkt“, erklärt Karolin Kühl, Chefredakteurin der Zeitschrift „Living & More“. (Schuster Home Company)

Retro-Möbel Trend Shabby-Chic macht neue Sachen alt. Photo by Josh Pepper on Unsplash

Retro-Design Trend “Shabby-Chic”

Ein besonderer Retro-Design-Trend ist der sogenannte “Shabby-Chic”. Ein Trend, der das Image von Vintage-Möbeln als alt, schäbig und abgenutzt verstärkt hat. Shabby-Chic bedeutet hier nämlich wirklich schäbig oder abgenutzt.

Der Shabby-Chic wird gerne als populärer Vertreter des Retro-Designs kommuniziert, es handelt sich jedoch hierbei um einen “Used-Look” der Möbeln oder anderen Einrichtungsgegenständen verliehen wird, um sie älter aussehen zu lassen, als sie eigentlich sind. Selbstverständlich kann z.B. das Möbelstück zusätzlich auch ein Retro-Design haben, wie die Form eines Nierentisches, ihr könnt jedoch auch einfach jedes beliebige Möbel im Shabby-Chic bearbeiten. Obwohl man vieles in diesem Stil kaufen kann, boomt hier besonders die DIY-Szene. Denn wer will schon ein Möbel teuer kaufen, nur damit es alt und abgewetzt aussieht. Das kann man nämlich viel günstiger selbst machen. Wenn ihr euch hierfür interessiert, schaut doch einmal bei Julia von Funkelfaden rein, sie hat z.B. eine Anleitung für ein Gewürzregal im Shabby-Chic auf ihrem Blog.

Ist Secondhand jetzt eigentlich Vintage oder Retro?

Beides und keines davon. Der Begriff Secondhand hat es sogar in den Duden geschafft, was uns die Erklärung hier wesentlich erleichtert. Secondhand bedeutet einfach nur “aus zweiter Hand” und somit ist es getragen oder benutzt. Secondhand kann also auch Vintage sein, nur muss Vintage nicht zwingend Secondhand sein. Ausschlaggebend ist wieder das Alter des Stücks. Großmutters 50er Jahre Schminkkommode, ist also ein Vintage-Möbel, aber aus zweiter Hand und somit Secondhand.

Secondhand kann auch Retro sein. Handelt es sich, sagen wir um ein Kleid von deiner Freundin, bei dem das Design angelehnt ist an die 60er, dann ist es Retro und Secondhand.

Frankreich und Belgien gelten übrigens als die Vorreiter in Sachen Secondhand, hier wurden bereits im 19. Jahrhundert die ersten Flohmärkte veranstaltet. Deutschland hat den Trend erst knapp 100 Jahre später, für sich entdeckt. Inzwischen kann man in allen größeren Städten Secondhand shoppen. Eine Fundgrube für Secondhand-Kleidung, ob einfach Secondhand oder Retro, oder auch Vintage, ist übrigens Berlin, aber auch in Shopping in Budapest oder Vintage Shopping in Zagreb ist zu empfehlen.

Ludovika VNTG Shop in Budapest: Hier ist es wirklich Vintage!

Fazit: Der Unterschied zwischen Retro – Vintage – Secondhand

Vintage:

  • bedeutet Jahrgang
  • steht für erlesen, altehrwürdig, alt, hervorragend
  • ist mind. 20-25 Jahre alt
  • kann neu oder gebraucht sein

Retro:

  • ist neueren Datums
  • bezieht sich auf Stilrichtungen vergangener Jahrzehnte

Secondhand:

  • bedeutet aus zweiter Hand und ist daher gebraucht
  • Kann ein Retro-Design haben
  • kann Vintage sein wenn es alt genug ist

Im Klartext: Vintage ist wirklich alt, Retro ist neueren Datums und lehnt sich nur an den alten Stil an. Der Vintage-Stil ist also eigentlich einfach Retro. Denn Der Vintage-Stil lehnt sich nur an das Design der vergangenen Jahrzehnte an, ist aber neu. Auch Vintage inspiriert ist nichts anderes als Retro, inspiriert von der Vergangenheit. Secondhand kann beides sein oder nur aus zweiter Hand. Es kommt eben auf das Alter und das Design an.


 

Beim nächsten Vintage Smalltalk und beim Shopping seid ihr jetzt bestens gerüstet und könnt mit eurem neu erworbenen Wissen glänzen. Wenn ihr Fragen dazu habt, lasst es mich gerne wissen und schreibt ein Kommentar und dem Beitrag.

Eure Nika

 

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6 Comments

  1. Ich schaue sehr gerne die Sendung “Bares für Rares” und bin immer wieder überrascht, welchen Wert alte Erbstücke haben können. Nach und nach habe ich mir auch einige Vintage-Stücke auf Flohmärkten zusammengesucht und habe hier echte Schnäppchen gemacht. Ich werde verstärkt auf den “True Vintage”-Vermerk achten.

  2. Beim Einkauf von Second Hand Kleidung habe ich bemerkt, dass die Kleidungen oft mit Vintage oder Retro gekennzeichnet werden. Viele haben gesagt, dass Vintage ist, was mindestens 20-25 Jahre alt ist. Aber von was ich gefunden habe, man sagt Vintage, wenn die Kleidungen schon kuratiert sind. Was mit ‘vintage’ gekennzeichnet sind, meistens besser Qualität haben als die ‘normale’ second hand.

    • Nika sagt:

      Hallo Florentine,

      das gibt es tatsächlich häufig, dass Secondhand-Ware nach einer Begutachtung, also dem kursieren, als Vintage gekennzeichnet wird. Praktisch wie beim Wein ein Label “Besonders guter Jahrgang” erhält. Tatsächlich sollte man dann vielleicht auch gezielt danach fragen, aus welchen Jahrzehnten die Ware stammt. Ist es nur Retro oder wirklich Vintage. Damit ihr den Unterschied merkt habe ich ja auch diesen Artikel geschrieben, so weiß man worauf man achten sollte oder wonach fragen und kann es für sich einordnen.

      Liebe Grüße,
      Nika

  3. Louise sagt:

    Ich mag es, wenn ich meine Liebe für die 50’s nicht nur in der Wohnung zeige, sondern auch in der Rockabilly Mode zum Ausdruck bringe. Meine Kommilitonin findet das super. Bei den anderen eckt Andersartigkeit an.

    • Nika sagt:

      Ich finde man sollte zu seinen Besonderheiten stehen. Wie langweilig wäre die Welt, wenn wir alles das gleiche toll fänden, die gleiche Kleidung tragen würden und auch sonst das gleiche denken.
      Ich freue mich, dass du meine Leidenschaft teilst, ich hoffe du findest dann auch in anderen Beiträgen Inspiration zum shoppen oder einen tollen neuen Laden in meinem Adressbuch.

      Liebe Grüße,
      Nika

  4. Ich finde auch, dass der Unterschied zwischen diesen verschiedenen Begriffen echt etwas ausmachen. Sonst würden sich einfach alte Sachen ohne Wert sehr teuer verkaufen lassen, was nicht fair ist, Man muss schon erkennen, ob es um Vintage Sachen geht. Wenn es sich lohnt, könnte man den Artikel für einen vernünftigen Preis kaufen , z.B. ein Möbel oder ein Sofa, und sich dann selbst mit der Renovierung oder Polsterei beschäftigen. Das Ergebnis wird sich trotzdem lohnen!

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