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Vintage Shopping Berlin: “Fräulein Anders” im Interview

In unserer Hauptstadt gibt es viel zu entdecken und Berlin bietet viele Möglichkeiten zum Vintage Shopping. Doch wer auf der Suche nach etwas Besonderem ist, der will auch in ganz besonderer Atmosphäre einkaufen. Bei “Fräulein Anders” ist Vintage Shopping ein Erlebnis.

Lilly Anders ist Schauspielerin und liebt Vintage Mode schon ihr ganzes Leben lang. Das Geschäft sollte ein zweites Standbein neben der Schauspielerei werden, doch der Erfolg des kleines Geschäfts verschob die Prioritäten. “Fräulein Anders” erzählt eine Geschichte der Mode. Ein bestimmtes Jahrzehnt bevorzugt Lilly Anders dabei nicht. Wir haben Lilly interviewed und nach ihrer Vintage Leidenschaft gefragt und wie es zum Vintage Shop “Fräulein Anders” kam.

Es gibt einfach zu viele schöne Kleider auf dieser Welt.

Lilly Anders, Inhaberin von “Fräulein Anders”

“Fräulein Anders” im Interview

1. Was bedeutet Vintage-Lifestyle für dich?

Für mich bezieht sich der Lifestyle schon in erster Linie auf die Kleidung, schon allein deswegen, weil es mein Beruf ist. Da ich schon seit meiner Kindheit (ca. mit 12 Jahren), den Vintage Look liebe und trage, ist es für mich völlig normal. Für mich ist ein Vintage-Outfit zu tragen genauso wie für andere eine Jeans oder ein T-Shirt aus dem Schrank zu nehmen. Ich muss darüber nicht nachdenken. Ich liebe es durch meine Kleider jeden Tag zu einem besonderen zu machen. Auch wenn ich durchaus im Hier und Jetzt lebe, bezieht sich dieser Lifestyle trotzdem nicht nur oberflächlich auf die Kleidung. Ich freue mich über viel „Althergebrachtes“, wie z. B. das Handarbeiten, Backen, Kochen und seit neustem auch das Gärtnern.

Schon mein ganzes Leben liebe ich den Vintage-Look.

Lilly Anders

2. Wie bist du zum Vintage-Lifestyle gekommen? Was fasziniert dich bis heute daran?

Bei mir waren es definitiv die alten Schwarz-Weiß-Filme die in mir den Wunsch auslösten mich zu kleiden wie die wunderschönen Frauen in diesen Filmen. Ich wollte unbedingt groß genug werden um endlich diese Kleider tragen zu können. Meine Omi brachte mir nähen bei, und erfüllte mir nebenbei auch meine Kleider-Wünsche. Von ihr habe ich definitiv die Liebe zu den Kleidern und dem Stil geerbt. Mit etwa zwölf Jahren begann ich diese Kleider alltäglich zu tragen. Ich gebe zu, dass es zwischendurch auch mal ein paar kleine Ausrutscher gab – aber ich denke, man muss sich auch in verschiedener Hinsicht ausprobieren. Heute bin ich in meinem Stil relativ gefestigt. Ich weiß ziemlich genau was ich mag und was mir steht. Und ich habe die große Chance und die Freude mein Wissen über Vintage-Kleidung auch an andere weiterzugeben und in ihnen die Begeisterung zu wecken.

Für mich ist ein Vintage-Outfit zu tragen genauso, wie für andere eine Jeans oder ein T-Shirt aus dem Schrank zu nehmen.

Lilly Anders, Inhaberin des Vintage Shops “Fräulein Anders”

3. Welchen Vintage-Look magst du persönlich am liebsten?

Eigentlich lege ich mich da ungerne fest. Generell liebe ich aber die Kleider der späten 40er und frühen 50er Jahre. Ich liebe weit schwingende Röcke und Kleider, den New Look den einst Christian Dior kreierte. Ich glaube kaum ein Look ist weiblicher. Für mich muss es auch nicht zwingend ein Original sein. Ich trage gerne Kleider von hochwertigen, Vintage-inspirierten Designern wie Lena Hoschek, Prettie Lanes oder auch Mädchentraum oder Gracy Q (die beiden letzteren gibt es leider nicht mehr). 

4. Wie kam es zu der Idee für deinen Shop?

Mein Laden sollte ursprünglich einfach ein zweites Standbein zu meiner Schauspielerei sein. Das hat sich mittlerweile geändert. Ich selbst habe über Jahre (neben der Schauspielerei) in einem anderen Secondhand-Laden gearbeitet, die allerdings irgendwann aufgehört haben. Da stellte ich fest, dass es keinen Laden mehr gab, in dem ich meine eigenen Sachen gerne sehen oder hingeben wollte. Kurzerhand eröffnete ich das Fräulein Anders mit dem Hintergrund mich nur mit schönen Dingen zu umgeben. Ich glaube, das merkt man sowohl an meiner Auswahl der Kleidungsstücke als auch beim Interieur des Ladens. Jedes Teil ist etwas besonderes. 

5. Was macht deinen Shop besonders? Was finde ich bei “Fräulein Anders”?

Bei mir ist der Name Programm: „Anders“! Mein Laden lädt ein bisschen zum „Zeit vergessen“ ein. Ich möchte meinen Kunden ein Kauferlebnis bieten, möchte, dass sie eintauchen können. Wer bei mir in zwei Minuten wieder raus ist, ist definitiv im falschen Laden und hat bei weitem nicht alles gesehen. Es empfiehlt sich, mir auch immer von seinen Kleiderwünschen zu berichten, denn nicht alles lässt sich im Verkaufsraum präsentieren und oft kann ich die Wünsche dann doch noch erfüllen, wenn ich davon weiß.

Seit ein paar Jahren mache ich auch Videos zum Thema Vintage und hoffe so bei allen möglichen Leuten eine gewisse Begeisterung dafür zu wecken.

Lilly Anders

Vom Sortiment her bin ich spezialisiert auf Mode der 40er, 50er und 60er-Jahre. Auch manch ein besonderes 70er-Jahre Schätzchen findet sich bei mir. Aber auch jüngere Secondhand-Kleidung gibt es bei mir. Allerdings nur, wenn es etwas „Besonderes“ an sich hat. Im Moment gibt es auch die Reste und Muster der Labels Mädchentraum und Jessi Ann.

6. Woher stammen die Vintage-Stücke in deinem Shop?

Die Kleider stammen oftmals wirklich von (heute) alten Damen, die ihre besonderen Kleider ein Leben lang aufgehoben haben. Manchmal bringen sie mir auch Fotos von damals in denen sie die Kleider trugen und ich erfahre ihre Geschichten. Das liebe ich besonders.

7. Wer kauft bei Dir ein? Warum kommen die Menschen besonders gerne zu Dir?

Meine Kundschaft kommen von überall her. Meine älteste Kundin ist 95 Jahre alt (sie kauft immer sehr verrückte Sachen). Es ist ganz unterschiedlich, manche suchen nur etwas für eine Mottoparty, manche konnte ich aber auch dazu bringen sich überhaupt zu trauen Vintage Kleidung in ihr Leben zu lassen. Viele vertrauen meiner Beratung. Ich versuche niemals mit erhobenen Zeigefinger zu sagen was man darf oder nicht, z. B. Petticoat vorschauen lassen oder nicht. Ich erkläre gerne wie man es einst trug aber wichtig ist letztlich nur eines: Fühl dich wohl in dem was du trägst! Erlaubt ist, was DIR gefällt!

8. Wo finde ich “Fräulein Anders” und kann bei dir einkaufen?

Ich habe keinen Online Shop da sich das mit meinen Kauferlebnis-Prinzipien nicht vereinbaren lässt. Allerdings sende ich gerne etwas zu wenn euch auf einem Foto in etwas schockverliebt habt, oder vielleicht hattet ihr es hier auch schon an und habt dann doch gezögert.

Alle Infos zum “Fräulein Anders” Vintage Shop in Berlin findet ihr wie immer im Adressbuch inkl. Öffnungszeiten und Links zu den Social Media Kanälen.

Am Sonntag den 29.3.2020 von 12-18 Uhr findet ein ganz besonderer Pop-Up bei Peter Strom EMS Fitness am Nollendorfstraße 25, 10777 Berlin statt. 

Drei Schwestern, drei Leben in Europa und Amerika, unendlich viele Kleider.

  • Ca. 500 originale Kleidungsstücke und Accessoires aus 40er, 50er und 60er Jahren 
  • Alltagskleider, Cocktailkleider, Prom-Kleider, Tanzkleider, Abendkleider, Hochzeitskleider, Röcke, Blusen, Hüte, Handtaschen usw. 
  • Verschiedene Größen (34-42/44) 
  • Jedes Kleid ein Unikat 
  • Zusätzlich könnt Ihr noch die letzten Teile der First Class vintage-inspirierten Labels von Mädchentraum, Jessie Ann, Gracy Q und Lena Hoschek zum Sonderpreis ergattern! 

9. Wenn du selbst auf Vintage Shopping-Tour gehst, wo gehst du am liebsten einkaufen?

Ich selbst komme leider viel zu selten selbst zum Einkaufen. Meist passiert das nur, wenn ich eine andere Stadt besuche. Mein Lebensgefährte macht dann meist vorab einen „Vintage-Routen-Shopping-Plan“. Das ist dann mitunter sehr überraschend was man da entdeckt. Meine Erfahrungen:

  • Rom: vor allem teuer und kaum 50er Kleidung
  • Barcelona: sehr 80er lastig, am schönsten ist „Lullaby“
  • Hamburg: fast überall Zettel in der Tür „ruf an Tel: ….“, sehr nett ist Frau Lux, jedoch auch nur mit Voranmeldung
  • Wien: die meisten Secondhand-Läden sind eher uninteressant außer „Fräulein Kleidsam“
  • Berlin: meine Lieblingsläden sind Glencheck und Mimi 

10. Was möchtest du unseren Lesern noch mitgeben?

Zum Einen würde ich mir wünschen, dass die Leute weniger wahllos kaufen. Viele meinen sie können sich das eine oder andere nicht leisten, dabei kaufen sie etliche Sachen drumherum. Lieber ein besonderes Stück das einen glücklich macht, als fünf Sachen die sowohl qualitativ als auch sonst nur so Lala sind. Zum Anderen, würde ich mir mehr Individualität wünschen. Wenn ich mir das Straßenbild anschaue, sehe ich fast nur Leute die gleich gekleidet sind. Ist „nur nicht auffallen“ das Motto? Ich finde das sehr schade. Gerade bei jungen Leuten sehe ich fast nur unbewusste Uniformen aus Leggings, Sweatshirts und T-Shirts. Wo ist die Experimentierfreude geblieben, das Ausprobieren und seinen eigenen Stil suchen und finden?

Im Laufe der letzten Jahre, wird mir immer mehr bewusst, wie unsere Gesellschaft mit der Konsumlust, gerade in Hinblick auf Kleidung, umgeht. Ich halte mittlerweile wie Vivienne Westwood: Buy less, choose well, make it last!

Lilly Anders, Inhaberin von “Fräulein Anders” Vintage-Shop in Berlin

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Deine Nika

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