Guter Zweck beim Geschäft mit Altkleidersammlung? Die Humana Kritik.
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Die Humana-Kontroverse – Das Geschäft mit Secondhand-Kleidung

Die Humana-Kontroverse - Das Geschäft mit Secondhand-Kleidung

Ich bin ein wirklich großer Fan von Vintage Kleidung, das bedeutet auch, dass ich mit Vorliebe in Secondhand-Läden und Vintage Shops einkaufen gehe. Das war für mich bisher eigentlich aus vielerlei Hinsicht eher etwas Gutes, als etwas Schlechtes. Natürlich gehören auch die Humana Secondhand-Läden, die zumindest hier in Berlin auch spezielle Vintage-Abteilungen führen, zu meinem Shopping-Repertoire und sind auch in meinem Adressbuch zu finden. Seit einiger Zeit beschleicht mich jedoch das Gefühl, dass das nicht immer eine gute Sache ist. Warum? Habt ihr von der Humana Secondhand Kritik gehört?

Hintergrund der Humana Secondhand Kritik

Humana ist eine deutschlandweit sehr bekannte Kette für Secondhand-Bekleidung. Soweit ja auch nichts Schlechtes. Die Humana Kleidersammlung GmbH ist allerdings auch Partner des gemeinnützigen Vereins Humana People to People Deutschland e.V. Letzteres eine nicht nur dem Namen nach, sondern auch eigener Aussagen zufolge humanitäre Organisation, die „Pro Afrika“ arbeitet. Das was wir jedoch von Humana kennen, sind die Shops der GmbH, die eben nicht gemeinnützig arbeitet.

Warum jetzt genau die Kontroverse?

Die Kritik an Humana ist keine Neue. Dennoch möchte ich nicht kritikfrei „Schleichwerbung“ auf meinem Blog betreiben und das gemeinnützige Image einfach stehen lassen, insofern die Kritikpunkte bisher nicht bekannt waren. Zum Einen ist allein die Organisation Humana People to People als gemeinnützige Organisation umstritten, zum Anderen gehört Humana zu einem weltweit expandierenden Konzern mit Sitz in Dänemark, dem Tvind-Imperium. Ein global agierender Konzern mit reichem Portfolio an Firmen und Ländereien. Übrigens auch Kontakten auf die Cayman Inseln.

Das Tvind-Imperium als Kopf von Humana

Das Tvind-Imperium wurde ursprünglich als reformpädagogisches Bildungsprojekt aus den späten Sechzigern gegründet. Damals ging es noch um Gemeinschaftssinn und praxisorientiertes Lernen. 1996 wurden jedoch per Sondergesetz den Tvind-Schulen in Dänemark die staatlichen Zuschüsse gestrichen. Gefälschte Studentenzahlen und zweckentfremdete Subventionen waren der Grund. Die Kritiken an Tvind existieren auch nicht erst seit den Neunzigern. Bereits in den 80er Jahren hatte der Konzern mit seiner Auslandshilfsorganisation UFF (Ulandshjælp fra Folk til Folk), hierzulande unter Humana bekannt, Schlagzeilen gemacht. Ein Großteil der Gelder kam wohl nie in Afrika an. Im Tvind-Imperium verschwunden könnte man also sagen. Erst 2006 endete der Gerichtsprozess gegen acht Angeklagte aus dem Tvind-Imperium bezüglich der Steuerhinterziehung.

Fazit: Eine Bewährungsstrafe und Bußgeld und der ehemals idealistische Anführer Amdi Petersen verließ Dänemark und wurde 10 Jahre weltweit gesucht bis 2016 herauskam, dass er in Mexiko seinen Ruhestand genießt und das Land die Auslieferung verweigert. Fast Al Capone-Style. Wenn dich sonst keiner kriegt, die Steuer wird’s auf jeden Fall. Aber eben nur fast. 😀

Der Humana Freiwilligendienst

Nochmal zurück zum gemeinnützigen Aspekt von Humana selbst. Die Humana People to People Deutschland e.V. hat unter anderem auch ein Freiwilligenprogramm. Dieses Programm gilt als unseriös. Neben den Kritiken am Rest der Organisation, so z.B. dem irreführenden Logo der Humana GmbH mit der Erdkugel, das einem den globalen guten Zweck „vorgaukelt“ und der Verbindung zum Tvind-Konzern, steht auch die Hilfsorganisation unter Beschuss.Die Berliner Zeitung sprach 2009 in einem Beitrag auch von Sekte und Ausbeutung.

In das Programm „Weltwärts“ des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) wurde der Freiwilligendienst von Humana mehrfach nicht aufgenommen und das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, auch Spenden-TÜV genannt, hat Humana bislang ebenfalls nicht erhalten. Nur ein Bruchteil der durch den Verein erwirtschafteten Gelder fließt wohl in die Hilfsprojekte. Der gute Zweck ist also mehr Werbestrategie und Schein als Sein? Das Altkleidergeschäft ist vielleicht zu attraktiv um etwas zu ändern.

Altkleidercontainer von Humana - Keine gute Sache?

Fröhlich wirft die junge Dame ihre aussortierten Kleider in den Container. Foto: Humana Kleidersammlung

Woher kommt Secondhand-Kleidung

Unter anderem kann man seine gebrauchten bzw. nicht mehr gebrauchten Kleidungsstücke, allein in Berlin, in rund 500 Containern der Humana Kleidersammlung entsorgen, die dann, in den Geschäften von Humana verkauft werden. Aus meinem Bekanntenkreis weiß ich, dass auch Kleidung bei Humana abgegeben werden kann. Ob das nur in einzelnen Shops und dem guten Willen der Mitarbeiter zu verdanken ist, ist unklar. Online findet sich dazu leider nichts. Die Altkleidercontainer in die man seine aussortierten Textilien und Schuhe werfen kann, gehören der Humana e.V., die nach Sammlung und Sortierung alles was verkäuflich ist, an die GmbH, also die uns bekannten Shops weiterverkauft. Laut eigenen Aussagen von Humana werden in den deutschlandweit über 20 Shops von rund 200 Mitarbeitern pro Jahr ca. 1,2 Millionen Kleidungsstücke verkauft.

Da kommt einem doch gleich die Frage in den Sinn, wie viele Millionen Euro dabei so in der Firmenkasse landen. Gerade wenn man bedenkt, dass nicht nur hier in Berlin die alternative Shoppingszene wächst und gedeiht.

Humana Altkleidersammlung - Secondhand für den guten Zweck?

Altkleidersammlung für den guten Zweck? Woher kommt die Ware und wohin geht sie? Grafik: Humana Kleidersammlung

Der Trend: Alternatives Shoppen

Was lange verpönt war gilt heute als trendy – Second Hand. etwas das zum Trend wurde, als man Stichworte wie Fast Fashion und Slow Fashion ebenso anfing zu diskutieren wie Bio und FairTrade. Unter Fashionistas schon lange nichts Neues mehr, aber genauso angesagt wie übliches Secondhand-Shopping sind sogenannte Tausch-Partys. „Es klingt skurril, wenn sich Frauen mit Bergen von Klamotten treffen, um diese zu tauschen – es schont aber den Geldbeutel und die Umwelt.“ (Focus) Und das Internet hat sowieso alles nicht besser gemacht. Unzählige Online-Flohmärkte haben das Tauschen, Verkaufen und Kaufen von gebrauchter Kleidung und vielem mehr wesentlich vereinfacht.

„Da fehlen Knöpfe? Nehm ich sofort!“ titelte Jost Kaiser im Trend-Report der Zeit bereits 2001. „Wenn Secondhand die beste aller Marken ist, dann ist Humana die beste aller Ketten. »Lieber alt und echt und gute Qualität, als neu und kopiert und H&M und damit nach zweimal Waschen hinüber«, sagt Martina. Es ist dieser kostenlose Gebrauchsantikapitalismus, der alle Humana-Bohemiens verbindet: Wer darauf pfeift, neue Sachen zu kaufen, wer gerade das Gebrauchtsein der Ware zum Kaufargument erhebt, der schlägt der Marken- und Massenwarenlogik ein Schnippchen.“ Schrieb er weiter.

Heute hätte man wohl eher Primark als H&M als böses Fast Fashion-Monster beschrieben. Das Prinzip bleibt jedoch das gleiche.

Wenn Slow Fashion eine gute Sache ist…

Dann ist auch Secondhand-Shopping immer noch etwas Gutes. Auch wenn mit der Sammlung von Altkleidern viel Schindluder getrieben und gemauschelt wird. Es gibt z.B. unzählige illegale Altkleidercontainer und was in Berlin der Fall ist, kann anderswo in Deutschland nicht unbedingt viel besser sein. Wer allerdings um kontroverse Unternehmen wie Humana einen bogen machen und nicht auf illegale Container hereinfallen will, der kann vorbeugen.

Der Dachverband FairWertung hat sich mit Organisationen, wie der Caritas und der Diakonie, zusammengeschlossen um ein Qualitätssiegel in diesem Bereich zu entwickeln. Der Verband hat das Ziel nur Mitglieder zu vereinen, die ausschließlich gemeinnützig arbeiten und transparent machen, was mit der Kleidung passiert und wer profitiert. Wer also ganz sichergehen will, dass die Kleiderspende in die richtigen Hände fällt kann sich auf der Website von FairWertung informieren wo wirklich fair-wertet wird. Wo fair verwertet wird, kann auch oft fair eingekauft werden. Einige Secondhand-Kaufhäuser listet der Verband in seinem Altkleider-Blog. Klingt zwar weniger sexy als Secondhand-Mode und Vintage-Fashion, am Ende landen aber auch hier nur ausrangierte Klamotten anderer Leute in einem Laden. 😉

Secondhand Kleidung

Secondhand Kleider – Gut für die Umwelt und für den Geldbeutel

Das Humana-Fazit

Es ist nicht leicht Licht ins Dunkel des Altkleidermarktes zu bringen. Mein Fazit zu Humana nach vielen Stunden Recherche ist und bleibt zwiegespalten. An sich spricht den Fakten nach nichts gegen die Humana-Shops als solche. Jedenfalls so lange man gedanklich nicht den Shop verlässt. Das Tvind-Imperium ist ein Gauner-Verein, wenn sich ehemalige ideologische Anführer nach Mexiko absetzen müssen, weil sie den Hals nicht voll bekommen können, sagt das schon einiges. Der Fisch stinkt am Kopf zuerst.

Der Humana People to People Deutschland e.V. ist allerdings der eigentlich kontroverse Teil der Angelegenheit für mich. Würde sich die als gemeinnützig eingetragene Gesellschaft auch gemeinnützig verhalten, wäre meinem Humana-Shoppingerlebnis nicht viel im Weg. Da dem nicht so ist… schwierig. Selbst wenn sich die Humana-Shops nicht mit Gemeinnützigkeit „brüsten“ würden, wäre meinem Gewissen schon entgegengekommen. Wer allerdings die Bilder mit den „Afrika-Motiven“ am Frankfurter Tor schonmal gesehen hat, der weiß, dass einfach viel Aufmerksamkeit eben genau auf das gelenkt wird, was nicht passiert wie es sollte – Humanitäre Hilfe. Den nächsten Gang in einen Humana-Secondhand-Store werde ich mir also eher fünf- als dreimal überlegen und das schöne an der Sache ist, dass es doch genug Alternativen gibt. Hier in Berlin auf jeden Fall und anderswo sicherlich auch.


Mein Auftrag ab jetzt ist also noch mehr Vintage- und Secondhand-Läden aufzuspüren als zuvor und ihr dürft gerne helfen. Ich freue mich über Anregungen und Tipps zu neuen spannenden Shops.

Was sagt ihr zu der ganzen Sache? Wusstet ihr bereits von der Kontroverse oder hört ihr das erste Mal davon? Wie geht ihr damit um? Ich würde mich freuen eure Meinung zu diesem Thema zu lesen. 

 

XOXO

Nika

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6 Kommentare

  1. artpics sagt:

    Muchos Gracias for your article.Much thanks again. Great.

  2. […] Ich gehe zwar ganz gerne mal in einen der Humana Secondhand Shops, besonders zum Schlussverkauf, aber über Humana sollte man auch einige Dinge wissen, wenn es einem beim Secondhand Shopping um mehr als nur Schnäppchen geht. Schaut einfach mal hier rein: Die Humana Kontroverse – Das Geschäft mit Secondhand-Kleidung […]

  3. Im grateful for the blog article.Thanks Again. Really Cool.

  4. Wow, great blog article.Really thank you! Want more.

  5. […] HUMANA gehört nicht unbedingt zu meinen präferierten Secondhand & Vintage Shops die ich besuche. Der Grund dafür liegt in der kontroversen Geschichte der Läden. Wenn ihr hierzu noch etwas mehr lesen möchtet, schaut einfach in meinen Artikel zum „Geschäft mit Secondhand„. […]

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